Mein Traumtagebuch ist umgezogen: KLICK

Wege

8
Sep
2009

Champs

Traum:
Stunden verbrachte ich an diesem Ort. Eine Ruine von großer Grundfläche. Ich bewegte Arbeitsmaterial von hier nach dort. Wege führten vorbei an abgenagten Mauerresten, eine Ahnung von einmal gewesenen Räumen. Hin und her. Arbeitsfahrzeuge – Bagger, Schieber, wasweißich – wirken in einigen Bereichen.

Nun ist Wilma eingetroffen und packt mit an, obwohl ich es nicht wünschte. Aber okay. Wir tragen einen Küchentisch mit Schublade. Sie läuft vorweg, hebt den Tisch unnötig hoch hinauf, legt großes Tempo und Schwung vor. Da ich schon einige Wege mit Lasten hinter mir habe, weiß ich schon jetzt, dass wir dieses Tempo und lockere Stemmen nicht über die gesamte Strecke halten können. Es drängt mich, sie voller Ungeduld anzufahren und es ihr mit wenigen Worten auszutreiben, aber ich zügele mich... so sehr, dass ich nicht ein Wort mehr rausbringe und ihrem Tempo folge.

Ich hätte diesen Angelegenheit ja fast vergessen, wäre da jetzt nicht diese Karte in meinen Händen, wo der Ort 'Champs' mir direkt ins Auge fällt. Genau dort ist diese große Ruine. Der Ort meiner nächtlichen Arbeitsstunden.

5
Sep
2009

Skaap Skee – Ghee trinkender Handwerker in Künstlerkneipe

Traum:
Ich sitze in der kleinen Künstlerkneipe, mit dem Rücken zum angrenzenden Theaterraum. Rechts von mir befindet sich der leicht geschwungene Tresen einer kleinen Bar.

Als ein Gast eintritt und ein Milchshake oder ein Vanillesofteis wünscht, werde ich aus meinen fernen Gedanken gerissen, denn der Barkeeper – es ist KP, der völlig anders als real aussieht und auftritt – springt sofort hinaus, hinüber zum Fastfood-Restaurant und kehrt mit der Grundlage zurück; nämlich eben jener Milli-Vanilli-Substanz, aus der sich so ein Softdrink schütteln lässt. Der Barkeeper bewegt den Shaker kräftig aus dem Handgelenk und... Oh, der Deckel war nicht ganz drauf und es sprüht etwas von dem Drink hoch. Der Barkeeper schaut daraufhin mit weit aufgerissenen Augen und einem derart dämlichen Gesichtsausdruck dem unbeabsichtigt Entsprühten nach, dass ich mich für ihn schäme – wie kann man nur so dümmlich schauen, ohne auch nur ansatzweise zu reagieren? Endlich überreicht der Barkeeper das gewünschte Getränk dem jungen Mann, der sich dann auf eine Bank vor einem Tisch setzt, der mir direkt gegenüber steht.

Der junge Mann ist seiner Arbeitskleidung nach ein Handwerker, der gerade Feierabend und Hunger hat. Er führt nun den Becher an seine Lippen. Vorsichtig nippt er an seiner heißen Milch. Heiß? Nanu? Sollte das nicht kühl sein? Ein wenig verstört mich auch, dass ich den Wegwerfbecher durchschauen kann – hm, warum sehe ich denn den Inhalt?? Das sieht ja wie flüssige Butter aus! Ganz klar, dass das heiß ist. Langsam nimmt er einen kleinen Schluck... Ghee, das ist doch Ghee!? Der Mann nickt. Es ist ziemlich ungewöhnlich, einen Ghee trinkenden Handwerker in dieser Künstlerkneipe zu sehen.

Links von mir an der Wand, ein wenig höher als die Tischplatte, bemerke ich zwei Lämpchen, die abwechselnd aufleuchten – Rot, Grün, Rot, Grün, … Jetzt ist Grün? Oder doch Rot? Nein, Grün! Ich könnte mal zum Theaterbereich hinüber gehen. Dort unter den Zuschauern befindet sich auch Mike. Die Veranstaltung auf der Bühne hat längst begonnen. Als ich mich umdrehe und dorthin schaue – ich sehe nur einen Teil der Bühne, der Rest ist mir durch die Kneipenwand verwehrt – bietet sich ein ziemlich skurriler Anblick:

Eine kleine schmale Frau, ganz bleich ihr Körper, mit altmodischer Luftpolsterbadekappe, vollführt Akrobatisches. Ihre dunkel geschminkten Augen in dem weißen Gesicht haben etwas Tragisches. Ihr linker Arm mündet in nahtlosem Übergang in einem glänzenden Edelstahlrohr, das sich an seinem Ende zu einer Spitze verjüngt, die wiederum mit dem Münzschloss eines Einkaufswagens eine Einheit bildet. Der Einkaufswagen rollt und kippelt gekonnt unter ihren Bewegungen. Es gibt noch andere, ähnliche Akteure und noch ähnliche Requisiten wie das Metallgitter des Einkaufswagens. Ich sehe Speichenräder rollen. Eine sehenswerte Sache. Da gehe ich gleich mal hin!

Höre nun aber, wie eine Männerstimme rechts von mir propagiert: „Du musst investieren!! Das machen auch große Unternehmen!“

Mein Blick geht nach links, an den Teil der Wand, der als Werbefläche eines bekannten Unternehmens (keine Ahnung, nie gehört) dient. Der Hintergrund ist Müllabfuhrorange, die Schriftzüge und das Logo in Metallverarbeitungsblau gehalten. Der Schriftzug ist leicht nach rechts gekippt, wirkt flüssig und gleichmäßig – sympathisch. Der übliche Slogan und der Name des Unternehmens 'Skee Skaap'. Aha. So vergewissere ich mich, alles richtig verstanden zu haben und rufe der Männerstimme zu: „Wie beispielsweise Skee!“

„Ja, wie Skaap!“ kommt zur Antwort.

Die meinte ich doch damit. „Okay meinetwegen – wie Skaap Skee!“

Stimmt ja, und das wird mir eigentlich erst jetzt im ganzen Ausmaß klar, dass große Unternehmen in dieser Hinsicht Vorbildcharakter haben könnten. Vielleicht sollte ich darüber nachdenken; mir kommt es mit einem Mal so logisch vor. Ich MUSS investieren! Auch wenn der Mann dies ablehnt.

Daraufhin verbringe ich ein paar herrliche Stunden in einem Vergnügungspark. Das ist ein Gebiet mit reichlich Hügeln und sanften Erhebungen, das von vielen schmalen Wegen durchzogen ist, die mit einem Crossrad genommen werden können. Eine spielerisch abenteuerliche Angelegenheit.

In der Nacht komme ich nach langer Reise vor dem Haus der Älteren an. Der Vorplatz liegt in sonderbar warmen Nachtlicht. Der ganze Platz ist vollgestellt. Zwei Fahrräder, eines bekannten Paares, sind dort abgestellt – es ist viel Gepäck daran festgezurrt. Die Mitkömmlinge sind schon im Haus. Ich gehe zur behinderten Anna in die Küche, zeige ihr mittels einem Zeitungsausschnitt, wo ich war. Dieser wunderbare Vergnügungspark. Gemeinsam mit ihr lese ich den Artikel, in dem auch der Name des Ortes erwähnt wird: Öberer

Begeistert erkläre ich: „Dort waren wir!“

Anna schaut mich verwundert an und fragt erstaunt: „Wo ist das denn?“

Offenbar ist ihr dieser Ort völlig unbekannt. Ja, und jetzt, wo sie es so sagt... Mir kommt der Ortsname auch ganz fremd vor. Ich habe nie zuvor davon gehört. Wirklich sonderbar. Ein wenig schmälert es nun meine Freude am Berichten, auch wenn es wirklich schön dort war.

Anna ist gerade schwer beschäftigt. Die Küche ist von feuchter Wärme erfüllt. Der Küchentisch steht voller Gläser ohne Verschluss. Einmachhaut und Gummiringe liegen bereit. Teils ist Zeitungspapier zum Schutz des Mobiliars ausgebreitet.

Ich knie mich hin – links von mir steht der alte Großvater-Pfeifenstuhl, rechts der Küchentisch, und eine Armlänge entfernt befindet sich die Küchentiertür. Direkt vor mir drücke ich eine Kugel sehr weicher, hautfarbener Knetmasse platt; zu einer Scheibe. Mit den Fingern ziehe ich einen Teil der Masse wieder hoch. Hey, das sieht aus wie Augenlider. Ich dehne die Masse noch etwas und lege die so entstandenen Liddeckel zu geschlossenen Augen ab. Zufällig hat sich die Masse genau an der richtigen Stelle zu leichten Augenringen und ein paar Krähenfüßen geformt. Toll, wie einfach es ist, etwas zu gestalten! Dieses Zwischenergebnis erregt auch die Aufmerksamkeit eines jungen Paares, das mit einem Male in der Küche – links von mir – steht. Sie rufen sich zu: „Schau mal!“

Nun aber endlich eine Etage höher zu den Älteren. In der Küche. Waah, was für ein Chaos! Das habe ich hier alles abgestellt. Die Älteren sind zwei Räume weiter – im Bad. Ich höre sie leise sprechen. Über mich. Über mein Chaos. Als ich nun aus dem Erdgeschoss von Schwesterlichem gerufen werde, rufe ich laut zurück: „Ja, ich komme!“

Nun dürften die Älteren bemerkt haben, dass ich in der Küche bin, dass ich sie gehört habe. Das macht mir alles nichts aus. Als die Ältere die Küche betritt, drücke ich gerade einen blauen Knetefladen zusammen, drücke einige weiße und rote Kneteködelchen dazu – als Zeichen dafür, dass ich vorhabe, das gesamte Chaos zu beseitigen. Doch zuvor muss ich noch wieder runter ins Erdgeschoss!

Wieder auf dem Vorplatz. Immer noch dieses fast feierlich anmutende, aber so vergangen still erscheinende Licht der Nacht. Mein Standpunkt befindet sich im Gegensatz zum Ankunftsstandpunkt – ist also um 180° gedreht. Ändert aber nicht viel. Einzig das zwischenzeitlich eines der beiden Fahrräder unter seiner Packlast zusammengebrochen ist. Ich hebe es nicht auf, denn ich kenne seine Ordnung nicht. Außerdem muss ich mich um den Wust eigener Dinge kümmern. Holzkisten, Kästen, Schreibkram. Oupsala... vor meinen Füßen liegt ein zweifach gefalteter 5-Euro-Schein. Hah, ein Geschenk des Himmels? Vergnügt hebe ich ihn auf. Kurz ein schlechtes Gewissen, wegen der womöglich mir nicht zustehenden Bereicherung, aber dann ist das auch vorbei. Wohin mit dem Geldschein? Ach, ich schiebe ihn mir einfach in den Hosenbund. Was für eine schöne Sommernacht.

Traumpfad:
Das Ambiente in der Kneipe lässt mich an die Music Hall Worpswede denken, obwohl das überhaupt nicht vergleichbar ist.

26
Aug
2009

Wasser mähen

Traum:
Einer dieser lauen Sommerabende. Spaziergang im goldenen Licht der tief stehenden Sonne. Ich schiebe unbeschwert meinen Spindelmäher den Gehsteig entlang.

Was allerdings langsam nervt, das ist das kleine Plastiktütchen mit einem Stückchen Putenfleisch, das vor der Spindel befestigt ist. Ich weiß nämlich nicht, wozu das gut sein soll. Warum es nicht einfach abfällt. Außerdem hat es einen Hund angelockt, den ich jetzt nicht mehr loswerde. Immer wieder hechtet er, nach einem Schnuppern, auf das Fleischstück zu, ohne es zu erhaschen. Warum packt er es nicht? Das gibt es doch gar nicht! Ganz klar, es braucht Ablenkung, wenn ich den Hund loswerden will. Im nächsten Augenblick jagt eine kräftige, schwarz-graue Katze eine stattliche Maus direkt vor dem Spindelmäher vorbei. Der Hund erblickt die Maus und nimmt sofort ihre Fährte auf. Supi!! Ich beschleunige meine Schritte, damit ich verschwunden bin, ehe der Hund sich an mein Fleischstückchen erinnert.

Der Gehweg endet, mündet nach links in einen anderen Gehsteig, der eine Allee mit feucht-frischen Baumkronen begleitet. Hier oben - ich habe das Ortsempfinden 'Heidwende/Worpswede' – gibt es gut Gras zu mähen. Dicht und saftig stehen die Grashalme. Es macht Spaß, die Halme abzurasieren, zu schauen, wie ein grüner Teppich entsteht. Das Gras ist ziemlich lang und ich befürchte kurz, mein Spindelmäher könnte überfordert sein. Ganz hoch wogt das Gras nun! Aber der Mäher gleitet ganz leicht durch. Als das Gras beiseite fällt ist unerwartet zu sehen, dass ich gar kein Gras mehr mähte, sondern schlammiges Wasser kürzte, woraufhin sich der wasserdurchtränkte Meeressand offenbart. Oh, ich ahnte nichts von dem Meer hier. Einen Augenblick spüre ich den Anflug eines peinlichen Gefühls... dann ist es vorbei. Ich hatte mich halt geirrt. Ich mähe weiter, den Grünstreifen neben dem anderen Gehsteig, im Schatten der Bäume, wo unter anderem Mukono mit einigen anderen Franzosen steht und plaudert.

...

Warum kann nicht alles so sein, wie ich es mir vorstelle? Jaja, das hätte ich manchmal gern. Aber ist das wirklich so? Ich bin dankbar, dass nicht alles meinen Vorstellungen entspricht, da sich diese stets in meinem beschränkten Rahmen abspielen. So viele Erfahrungen, für die mir - hätte ich die Wahl gehabt - der Mut gefehlt hätte. Wege jenseits der Grenze. Erfahrungen, die meine Vorstellungen weit überstiegen. Wege, die ich mir nicht zugetraut oder für unmöglich gehalten hätte. Mein Herz läuft über, ich kann die Wunder kaum fassen. Welch wunderbares Leben, das mich so reich beschenkt.

8
Aug
2009

Mustafa

Traum:
In einem kleinen Warenhaus. Eine etwas ältere Frau präpariert Mädchenkleider. Genauer gesagt, arbeitet sie an den Armausschnitten. Mit einem pilzförmigen Holzstopfen stößt sie die Nahtzugaben nach innen, so dass sie später leicht mit der Maschine genäht werden können. Dabei entsteht unter ihren Händen eine saubere Rundung.
Ich spreche sie an: „Na, das ist ja eine schöne (will sagen: aufwändige) Arbeit, was!“
Doch sie winkt ab und meint: „Ach nein, alles nicht so wild. Anderes ist interessanter!“

Ihre Antwort veranlasst mich, die Treppe, die sich ihrem Tresen anschließt, hinauf zu gehen. Ah, dort oben angekommen, sehe ich die Freundin! Die neue Freundin von Mustafa; eine hübsche Siebzehnjährige mit großen braunen Augen. Sie werden bald ein Paar sein. Ich glaube, sie sind einander versprochen. Dennoch muss das Mädchen – sie ist so grazil und anmutig – natürlich um seine Gunst werben. So läuft sie hinter ihm her. Barfuss. Durch die Wärme. Eilt mit den Verwandten. Den schlammigen Weg entlang, mit den warmen Pfützen in den vielen Fahrspuren. Ihr Zigeunerrock flattert um ihre sonnenbraunen, schlanken Waden.
Ich mag, wie meine nackten Füße, meine Zehen, durch den warmen Schlamm glitschen, während ich den Liebenden hinterherlaufe, damit ich nichts vom weiteren Verlauf verpasse.

7
Aug
2009

Sprunghaft auf dem Holzweg (?)

Traum:
Später Sommerabend. Es ist richtig gut, mich für den sommerlichen schwarzen Rock entschieden zu haben. Ich schließe ihn mit einigen Knöpfen an der linken Seite, während ich zufrieden bemerke, dass sich der dünne Baumwollstoff locker an meine Hüfte schmiegt. Der Bauch zeigt nur noch eine leichte Wölbung. Toll, dass es mit dem Abnehmen so gut klappt. Der kurze Rock schaut wirklich gut aus. Dazu trage ich zierliche schwarze Sandalen mit schmalem Absatz.

Mein Weg führt mich zu einem überdachten öffentlichen Platz. Ein flaches, fast quadratisches Wasserbecken mit einigen Bänken drumherum, auf denen ältere Männer sitzen und plaudern. Als ich hinzukomme, sagt einer der Männer auf der anderen Seite des Beckens zu mir: „Sie müssen noch warten, ehe Sie weitergehen! Das Spiel ist noch nicht zu Ende!“
Ich verstehe, hier läuft gerade ein Fußballspiel, das ich nicht sehen kann.
„Raten Sie mal, wer gewinnt?“ fragt er und lacht mich dabei vergnügt an.
Keine Ahnung, wer gewinnen wird, da ich gar nicht weiß, wer hier spielt. Ich weiß aber, was er meint und grinse zurück – natürlich gewinnt die Mannschaft, zu der er hält!

Allerdings finde ich, dass ich deshalb nicht warten muss und hüpfe mit einem Satz in das Wasserbecken – also auf das Spielfeld. Das Wasser steht etwa 30 cm hoch. In der Mitte des Beckens sehe ich eine runde Messingdüse... vielleicht ein Springbrunnen. Angenehm überrascht bin ich von dem Holzboden im Wasserbecken. Hochwertige Riffeldielen auf Traghölzern bieten einen angenehmen Untergrund. 'Man kann also gar nicht untergehen...' geht es mir durch den Kopf. Fein! Es ist ein Vergnügen durch dieses Becken, dieses Wasser zu laufen. Wie ein Kind hüpfe ich von einer Seite zur anderen, ziehe meine Knie dabei fast bis zum Kinn hoch. Das macht Spaß. Am anderen Ende angelangt, dort wo der Mann sitzt, der mich anfangs ansprach, stelle ich fest: Stimmt, hier geht es eigentlich nicht weiter. Vor mir befindet sich die Zeltplane.

Im nächsten Augenblick springe ich dort hinaus und lande etwa 2 Etagen tiefer im großen, luftig überdachten Sommergarten eines unbekannten, aber befreundeten Paares. Die Nacht ist sehr warm und alle Türen und Fenster der Wohnung stehen weit offen.
Vor mir steht ein schöner runder Gartentisch mit gußeisernem Gestell und einer Tischplatte aus starken Holzbrettern. Gegenüber am Tisch sitzt der Hausherr – eher klein, gedrungene Statur, breite Schultern, klobige Hände, grobe Gesichtszüge; das dünne schwarze Stirnhaar hängt ihn glatt an die Stirn gekämmt bis fast zu den buschigen Augenbrauen. Mit grimmigem Gesichtsausdruck und unverständlichem Grummeln quittiert er mein Erscheinen. Verstehe... Er will sagen, dass mein Weg hier zu Ende ist, denn es gibt kein Vorbei! Stimmt, weder rechts noch links vom Tisch wäre Platz, um dort entlang zu gehen. Den Tisch aus dem Weg zu schieben kommt auch nicht in Frage, da der Hausherr ein Verschieben unmöglich macht.

Doch ich bin voller Schwung, springe aus dem Stand, mit kraftvoller Leichtigkeit, auf den Tisch, spüre wie zuvor im Wasserbecken, wie toll sich das Holz unter den Füßen anfühlt, überquere die Tischplatte und springe auf der anderen Seite herunter. Dort, wo bis zu diesem Augenblick der Mann saß – er ist nicht mehr da. Ein Blick nach links in die hell beleuchtete Küche. Seine Frau werkelt dort. Auch sie wirkt brummig und murrt, aber man spürt deutlich ihre Herzensgüte. Freundlich kommt sie auf mich zu und wir treten gemeinsam vor das Haus in die Nacht.

Eine lebhafte Straße in der Innenstadt. Gegenüber liegend türmt sich ganz unerwartet etwas Wundervolles auf.... Ein alter Uhrentower.... Seine Fassade in einem tiefen Blau, wie ich es nie zuvor sah. Ein Blau, das dem gegenwärtigen Nachthimmel ähnelt. Der Nachthimmel ist wie von einem Licht erfüllt, das wie von außen durch die Himmelskuppel dringt. Dieses Nachthimmelblau zusammen mit dem Turmblau ist von unbegreiflicher Schönheit. Fotoapparat! Ich möchte ein Bild davon machen. Es ist so wunderbar! Im nächsten Augenblick habe ich einen Fotoapparat zur Hand, fokussiere und... ach, wie schade, nun rollt ein bulliger englischer Reisebus ins Bild. Zwar stockt er und ich versuche durch einige Schritte nach links ihn aus dem Bildausschnitt zu bekommen, aber ohne Erfolg. Da die Lichter des Busses zu hell im Vordergrund leuchten, verliert das im Dunkel stehende ein wenig seine Ausstrahlung. Ich könnte den Turm von der anderen Seite fotografieren... Ein Versuch... Aber das ist lange nicht so schön. Was auch daran liegen mag, dass die Turmuhr hier nicht zu sehen ist. Die Turmuhr mit den römischen Ziffern macht einen guten Teil des Charmes aus. Nicht die Uhr allein, aber in Kombination mit dem anderen Bemerkenswerten. Das ist ja wirklich bedauerlich, dass der Bus dort hält.

Traumpfad:
Das Hüpfen im Traum erinnert sehr an das Video 'Sprunglauf hoch' (gestern in den Kommentaren bei Nanou entdeckt).
Neben dem Video der Hinweis:
[...] kein Training für Läufer über 40 Jahre [...]
Das stimmte mich nachdenklich.

1
Aug
2009

Albatros

Traum:


Ich habe bereits draußen auf der Gartenterrasse unter dem Sonnendach Platz genommen, während Mike mit einigen Männern – diese stehen in irgendeinem engeren Kontakt zu den Lokalinhabern – im Bereich des Außen-Ausschankes steht und sich unterhält. Ansonsten ist hier noch nichts los. Die anderen der clusterförmig angeordneten Gartentische sind noch nicht besetzt.

Unsere Getränke wurden bereits serviert. Ich bekomme Lust auf die Holunder-Biolimonade, greife ohne hinzuschauen die Flasche und nehme einen Schluck... Waaah!! Da habe ich Mikes Bier erwischt! Schlimm genug, Bier aus einer PET-Flasche zu trinken, dazu ist es auch noch lauwarm. Ungenießbar.



Ich schaue mich um. An dem angrenzenden Gebäude oder einer Holzwand hinter meinem Rücken ist eine orangerot-gelbe Leuchtreklame angebracht. Diese ist, zu dieser Tageszeit – kurz vor dem Brunch – nicht eingeschaltet. Das Schild zeigt einen Albatros, weist auf die Öffnungszeiten und die Gartenterrasse hin und ähnliches. Unter dem Schriftzug 'Albatros' ein Hinweis:

Besuchen Sie bitte auch mein Angebot links vom Gitter!

Und:

Eröffnet Mai 08 ???



Letzteres amüsiert mich wegen der drei Fragezeichen. Es ist schon ungewöhnlich, eine so ungewisse Sache auf etwas so Dauerhaftes wie ein großes Reklameschild zu platzieren. Da war sich die Inhaberin – eine blonde Mallorca-Mieze – wohl nicht ganz sicher. Ich meine, für den Gast ist es ja nicht unbedingt von Bedeutung, wann genau sie das Lokal eröffnet oder übernommen hat. Mir gefällt aber, dass sie es trotzdem öffentlich macht. Es vermittelt so etwas wie Offenheit und Ehrlichkeit.

Da ich bereits durch die offene Tür in den Raum links des Gitters hineinsehen konnte und der kleine Einblick mein Interesse weckte, trete ich ein... Ein schlauchschmaler Raum mit langen Tischen vor den Wänden. Keine Beleuchtung; die Tische mit einfachen Tüchern bedeckt und mit einer lückenhaften Auslage bestückt. Tupper-Kram. Es wirkt alles ein bisschen trostlos, grau und banal. Nichts da, was mich zur näheren Betrachtung verlockte. Inzwischen ist Mike hinzugekommen. Ich zögere noch, den hinter diesem Raum liegenden nächsten Raum zu betreten. In der Türöffnung hängt ein schleierhafter Vorhang und ich überlege, dahinter könnten sich die Privaträume befinden. Doch Mike meint: „Na klar, da darf man rein. Sonst wäre es doch nicht offen!“

Zögernd, mit leisen Schritten trete ich ein. Dieser Raum gleicht vom Grundriss her dem vorherigen. Ganz still ist es... Die Geräusche von der Gartenterrasse dringen nicht bis hierher, auch vom sonnigen Tageslicht gelangt nichts mehr an diesen Ort. Ein Privatraum? Ein Wohnzimmer? Auf einem Tisch nehme ich einen Aschenbecher wahr – einen solchen, der auf Druck eine Scheibe zum Drehen bringt und diese nach unten bewegt, so dass Asche oder Kippen darunter fallen kann; der Ascher meines Großvaters. Das sieht nicht nach einem Verkaufsraum aus. Besser, wir verschwinden schnell. Da bemerke ich aber schon, durch eine zweite Tür kommend, eine lautlose Bewegung. Die Mallorca-Mieze? Ich schlüpfe rasch und geschmeidig durch den Schleier zurück in den Tupper-Raum. Hier fühle ich mich schon ein wenig sicherer, vor einer unangenehmen Zurechtweisung geschützt. Lieber zurück auf die sicherer Seite; nämlich raus in den Biergarten!

Traumpfade:
Morgen treffen sich einige Yasni User zum Brunch im Cafe Albatros.
Ich kannte diese Location noch nicht, bin deshalb heute mal hingeradelt, um den realen Ort mit dem Traumort zu vergleichen.





Gestern Abend überlegt, ob meine Erinnerung richtig ist, dass die Hormonbehandlung – genauer die Gabe der Depotspritzen - im Zuge der Krebsnachsorge im Mai 2008 begonnen hat. Auf alle Fälle war ich im Mai letzten Jahres mit der Strahlentherapie frisch durch und seitdem bin ich dabei, meine Kraft zurückzuerlangen. Was mir, wie ich finde, bisher recht gut gelungen ist.

16
Jul
2009

20 Laibe zur Hochzeit

Traum:
Der letzte Tag im Erdhügel vor den dreiwöchigen Ferien. Zum Abschluss eine kleine Feier. Achmed händigt mir zwei Schlüssel aus. Einer der Schlüssel hat einen schwarzen Kunststoffgriff – vielleicht der Schlüssel für ein Fahrrad- oder Tankschloss. Während ich diese beiden Schlüssel auf mein Schlüsselbund – es trägt ungewöhnlich Schlüssel – aufziehe, werde ich unterbrochen und lege alles auf dem Tisch ab. Dort liegt bereits ein ähnliches Schlüsselbund. Als ich kurz darauf mein Schlüsselbund wieder an mich nehme, steckt Achmed gerade einen Schlüssel an seinen Bund. „Achmed, Du hast den Schlüssel zurückgenommen!“ Achmed, der links neben mir steht, wirkt müde und erschöpft. Sein Dreitagebart verrät, dass er die letzten drei Tage ununterbrochen hier gearbeitet hat. Da ist es auch kein Wunder, dass er den Schlüssel versehentlich wieder an sich nimmt.

Ich wünsche ihm erholsame Ferien. Daraufhin fällt ihm ein: „Wenn der Wunsch besteht, kann am 26. Mai gefeiert werden!“ Will sagen, Achmed gestattet mir, die Räume auch während der Schließungszeiten nutzen zu dürfen – deswegen wohl auch die Schlüsselübergabe.
Ah ja, an dem Tag gibt es ja einen feierlichen Anlass. Hatte gar nicht bedacht, dass dieser Tag in die Ferien fällt.
Ich stimme zu: „Na klar, ich kümmere mich darum.“ So kann er ganz beruhigt in die Ferien gehen.

Zum Ende der kleinen Feier bekommt jeder ein Geschenk zum Abschied. In einer bäuerlich wirkenden Stube. Ein langer Holztisch mit einfachen Bänken an seinen Seiten. Hier sitzt das Brautpaar. In drei Wochen werden sie heiraten und dies groß feiern. Man merkt ihnen an, dass sie Ackerbauern sind – erdverbunden, gerade heraus, mit kräftigen Arbeitshänden. Sie haben bereits heute ein Hochzeitsgeschenk bekommen, weil ja die Ferien bevorstehen und es hinterher zu spät sein könnte. Dieses Geschenk gehört mit zu den großzügigsten Geschenken anlässlich dieser Feier. Der Schenkende, eine väterlich-herzliche Autorität, hat sich wahrlich nicht lumpen lassen:
Er schenkt dem Brautpaar den gesamten Brotvorrat für die große Feier. Die frisch gebackenen Brotlaiber liegen in zwei Reihen auf dem Tisch. Es dürften um die zwanzig runde Laiber sein – sehr groß und hoch, sicher wiegt ein jedes an die zweieinhalb Kilo. Sie sind beim Backen in der Mitte lecker aufgebrochen, mit Mehl bestäubt. Wunderbar, davon werden alle Gäste satt. Jedoch... die Feier findet in drei Wochen statt. Normalerweise verdirbt das Brot schon vorher.

Das Brautpaar sitzt mit entgeistertem Gesichtsausdruck am Vespertisch. Sie sagen nichts, sind tief betroffen. Welch eine wunderbare Geschenkidee! Welch eine Großzügigkeit! Allerdings... An sich hatten sie sich darauf gefreut, während der nächsten drei Wochen Ferien zu machen, sich von all der Mühsal auf dem Acker und in der Küche zu erholen. Daraus wird nichts werden. Die Brotpflege dürfte sie mächtig auf Trab halten. Vor allem die schwüle Hitze dieser Tage fördert den Verderb ja noch. Wenn das Brot nämlich bis zur Hochzeit frisch bleiben soll, so muss es in feuchte Geschirrtücher – nicht zu feucht, aber auch nicht zu trocken! – gelegt werden, die jeden Tag gewechselt und in den richtigen Feuchtezustand gebracht werden müssen. Kann auch sein, dass zwischendurch mal trockene Tücher oder Plastikbeutel zum Einpacken sein müssen – das will alles wohl überlegt und abgewogen sein. Die Temperatur muss stimmen, die Brote müssen ständig auf ihren Zustand hin kontrolliert werden. Das heißt also nicht nur keine Ferien, sondern bedeutet so richtig Drehzahl! Das Brautpaar tuschelt mit dem Hochzeitsfestbereiter; sie überlegen, wie vorzugehen ist. Die schwere Betroffenheit spüre ich bis ganz tief in mich hinein. Eigentlich wäre die Freude groß und Dankbarkeit erfüllte sie. Doch drei Wochen zu früh...

Der Kfz-Mechaniker kommt. Ein zuvorkommender, freundlicher und hilfsbereiter Mann von etwa vierzig Jahren. Er bittet mich in seine kleine Werkstatt. Auf dem Weg dorthin greift er gleich Werkzeug und Material aus den Regalen im Lager. Darunter befindet sich auch ein langer, kantiger Nagel. Damit eilt er mir voraus und angesichts des Nagels entfleucht es ganz spontan und scherzend meinen Lippen: „Sie müssen mich nun aber nicht...“ Ich lasse den Satz vielsagend offen – vielleicht kennt er aber den Ausdruck „Nageln“ dafür auch gar nicht.

An seiner Körperhaltung bemerke ich, wie er kurz stutzt, dann lacht er herzlich und beginnt mit seiner Arbeit. Ja, so gefällt mir das. Auf dem Werkzeugwagen neben der Grube liegt ein großes Schlüsselbund, ähnlich meinem. Daneben ein Glas Cola – kühl, prickelnd. Doch das Glas ist fast ausgetrunken. „Eigentlich dachte ich...“ murmele ich, woraufhin der Mechaniker antwortet: „Ich habe es getrunken.“ „Ah, okay... das ist nicht schlimm!“ versichere ich. Ein Schlüssel fällt besonders ins Auge: ein Schlüssel mit schwarz ummanteltem Griff.

Gerade erzählte Wilma, wie gelassen sie inzwischen ist. Sie freut sich über das, was sie hat und es macht ihr nichts aus, etwas nicht zu haben oder zu erreichen. So sitzt sie an dem langen Tisch im Seminarraum.

Als Kornath nun verkündet, ihre Träume aus Zeitmangel nicht mehr deuten zu wollen, da bricht sie in heiße Tränen aus. Sie schluchzt laut und lässt sich kaum beruhigen. Das ist schon etwas peinlich, zumal sie ja gerade groß damit tönte, dass sie darüber hinaus sei, bestimmte Erwartungen zu haben. Ich stelle mich vor sie hin, nehme ihren Kopf wiegend in meine Arme, um sie zu trösten und beruhigen. Sage: „Aber Du hast doch heute gar keine Träume mitgebracht; da passt es doch sowieso?!“ Daran hatte sie wohl nicht mehr gedacht. Dennoch beruhigt sie sich nur langsam, realisiert nicht wirklich, dass sie heute gar keinen Traum hatte und deshalb auch keinen erzählen kann. „Es gibt gerade nichts zu analysieren.“

Traumpfad:
Mühlenbrot -> Umbecker Mühle / Weyerdeelen-Umbeck -> Rad im Baum

2
Jul
2009

Internet - vielleicht am Samstag

Traum:
Einer dieser langen, lauen Sommerabende. Die Stadt kommt zur Ruhe. Hier, am Wiener Stadtrand, lässt einen die Steppe in einem südlichen Land wähnen. Ich suche einen Radparkplatz für die kommende Nacht. Zwar stehen hier ein paar Fahrradständer herum, aber niemand nutzt diese, da diese Gegend – Bahnhofsviertel – für häufige Fahrraddiebstähle bekannt ist. So frage ich eine Frau, die in ihrem von grünem Laub umrankten Garten sitzt und ihre reichhaltige Ernte verarbeitet, die sie vom Garten nach Haus getragen hat. Es ist eine so schöne, ganz stille Stimmung. So viel Frieden und Zufriedenheit. „Darf ich mein Rad für diese Nacht in ihrem Garten parken?“

„Aber ja!“ sagt sie, als sei es eine selbstverständliche Sache. Das ist ja schön. Als ich mein Rad abgestellt habe, kommt mir die Idee, ins Internet zu gehen. So frage ich: „Darf ich bei Ihnen mal ins Internet?“

Ein schlanker Schwarzhäutiger kommt mit langen Schritten herbei und antwortet höflich: „Ja klar, aber noch nicht. Vielleicht am Samstag!“ Darüber hinaus macht er einige Vorschläge, was ich hier als Gast machen darf, schränkt aber immer ein: „Aber noch nicht. Vielleicht am Samstag.“

Dann tanze ich ein wenig hin und her, drehe die Füße nach innen, nach außen, nach innen und so weiter, und bewege mich so seitwärts voran. Dabei habe ich fest meine Füße in schwarzen, wildledernen Tanzballerinas im Auge. Dazu trage ich schwarz-weiß geringelte Kniestrümpfe. Ich bin so glücklich.

Das ist ja wirklich nett. Hier kann man sich wohlfühlen. Dennoch überlege ich, mein Rad doch noch in einen der öffentlichen Radständer zu parken. Das ist ja so friedlich hier und mir begegnete nicht ein zwielichtig wirkender Mensch. Ganz entschlossen bin ich noch nicht, was die Übernachtung meines Rades anbelangt.

23
Jun
2009

Siedepunkt bei 100 ml

Traum:
Ich nutze die Gelegenheit, mal eben schnell das Protokoll der letzten EBS im Erdhügel abzugeben. Zwar ist der Erdhügel zur Zeit nicht offiziell geöffnet, aber man kennt mich ja. Vor der Tür zu den Büroräumen sitzt die Griechin. Auf dem Boden, mit Schreibzeug auf den Schenkeln ihrer angewinkelten Beine. Als ich durch die Tür gehen will, sagt sie: „Es findet gerade eine Personalbesprechung statt, da können Sie doch jetzt nicht reingehen! Überhaupt... dürfen Sie gar nicht diesen Eingang benutzen!“

Okay, ich habe da eine Grenze überschritten. Sonderbar... Seit zwei Jahren wähle ich immer diesen direkten Weg. Nie gab es Probleme. Nie ließ man mich verstehen, dass ich unerwünscht wäre.

Die Griechin macht eine auffordernde Bewegung, zeigt mit ihrem Schreibstift in eine Richtung – die mir bedeutet, ich müsse zu zwei Dritteln um das Gebäude herum gehen – und fordert mich auf: „Gehen Sie hinten rum!“

Na gut. Den Weg kannte ich auch noch gar nicht. Das ist ziemlich interessant jetzt.

Von hinten gelange ich in einige verschachtelt angeordnete Lagerräume. Um in die Büroräume zu gelangen, müssen diese durchquert werden. Das ist gar nicht so einfach, denn diese Lagerräume ähneln einander. Es steht auch nicht viel drin. Ich laufe hin und her. Irgendwann weiß ich nicht einmal mehr, wo ich herein gekommen bin. Dann aber bemerke ich, dass eine der Türen ein kleines Hindernis bietet: eine Sperrholzplatte ist umgefallen und steht schräg im Türrahmen. So ist wenigstens klar, dass ich diese Tür noch nicht durchschritten habe. Endlich ein erster Orientierungspunkt.

Es dauert gar nicht lang, da finde ich den Weg durch den Hintereingang hinaus. Es ist später Abend. Ich gehe mitten auf einem Schienenstrang entlang. Nur wenige Meter vorne rechts befindet sich – hinter einer etwa drei Meter hohen Mauer – das Straßenbahndepot. Ich weiß, dass diese Schienen hier selten befahren werden. Da ich aber gerade kürzlich eine erschreckende Begegnung mit der Straßenbahn hatte, ist mir die Gefahr, in der ich mich befinde, ziemlich bewusst. Ich muss mich beeilen; schnell von den Schienen runter. Das ganze Gebiet vor mir liegt im unpersönlichen Schein unzähliger Laternen – wie auf einem großen Werksgelände. Immer wieder blicke ich mich um, ob womöglich eine Straßenbahn von hinten kommt. Das ist alles viel gefährlicher, als man glaubt.

In den unterirdischen Lagerräumen ist ein Mann mit Vollbart am Werk. Seine Augen blitzen vor Vergnügen. Immer wieder kommen Menschen durch diese Räume. Und der Vollbärtige verteilt an einige von ihnen Glaskolben mit interessanter Funktion. An sich sind die Glaskolben leer. Doch angenommen, jemand regt sich auf – warum auch immer – dann beginnt eine klare Flüssigkeit im Kolben hochzusteigen. Nimmt nun der Aufgeregte das Angebot des Vollbärtigen an und nimmt den Glaskolben in die Hand, so kann man beobachten, wie die Flüssigkeit steigt. Klar ist: bei 100 ml liegt der Siedepunkt. Steigt die Flüssigkeit nun also aufgrund der Aufregung bis zum Siedepunkt, so löst sie sich an dieser Stelle in Wohlgefallen auf. Eine tolle Sache ist das. Da der Druck auf diese Weise entweichen kann, kommt es zu keinen unangenehmen Ausbrüchen unter den hier Anwesenden. Irgendwann kommt der Vollbärtige auf mich zu und bietet mir ebenfalls einen solchen Glaskolben an. Wie ich sehe, ist dieser bis knapp 30 ml mit Flüssigkeit gefüllt. Ich fühle mich ziemlich entspannt, ärgere mich auch gerade nicht und denke somit, dass das gar nicht nötig ist. Doch er nickt ermunternd, auffordernd. „Aber nee, das muss wirklich nicht sein!“ Da ich nicht wirklich bedürftig bin, mag ich sein Angebot gar nicht annehmen. Schmunzelnd schauen wir uns an
... und die Szene löst sich auf.

Wieder, oder weiterhin in den unterirdischen Lagerräumen. Eine Begegnung mit einem freundlichen Mann. Er und seine Begleiterin sind die letzten hier unten und im Begriff zu gehen. Die Frau drängt jedenfalls zum Aufbruch. Doch der Mann möchte nicht gehen, ohne mich einmal in die Arme genommen zu haben. So kommt er, obwohl schon fast aus der Tür, noch einmal zu mir zurück. Ich will es ihm leicht machen, damit es schnell geht und er den Ärger der Frau nicht auf sich zieht, und öffne mich ihm, signalisiere mein Einverständnis für seine Annäherung und auch, dass ich seine Nähe wertschätze. Doch er merkt es nicht und nimmt sich die Zeit für eine höfliche Annäherung, um mich nicht zu überrumpeln. Das wäre eigentlich nicht nötig, aber vielleicht macht ihn das in meinen Augen sogar noch sympathischer.

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