Traum:
Der
Urlaub in
Italien geht zu Ende. Mike ist bereits heim. Im Moment halte ich gerade Ausschau nach Moina, gehe den Weg in Richtung
Strand entlang. Der Tag ist hell, scheint aber verdunkelt wie in der Nacht. In der Nähe der
sanitären Anlagen und kleiner
Verkaufsstände entdecke ich Moina, und nehme sie an die Hand. Am Wegesrand steht ein grauhaariger
vollbärtiger Mann. Er sieht aus wie eine Mischung aus Reinhold Messner und Seebär. Er kommt auf mich zu und fragt, ob wir uns kennen. Ich erzähle, dass ich ihn vom
Bioladen her kenne. Ich merke, dass es ihn langweilt, was ich erzähle. Er fragt: „Haben Sie bereits mehrmals versucht,
Kontakt mit mir aufzunehmen?“
„Nein“, sage ich und denke im Stillen, dass er das doch machen solle, wenn er möchte. Dann erkläre ich ihm: „Ich erwarte viel (von den anderen)!“ Nach einer kurze Pause ergänze ich: „Aber ich gebe nichts (wenig).“ Daraufhin wendet er sich desinteressiert ab – womöglich sogar ablehnend – und geht.
Moina und ich durchqueren dann das kleine
Freizeitgebäude und kommen an der
Hinterseite wieder heraus. Dort ist ein Kiosk und wir hören Leute sprechen. Da traue ich Augen und Ohren kaum... Alle unterhalten sich auf
Deutsch, und sogar die Schilder im Kiosk sind in
deutscher Sprache verfasst. Hier ist alles wie in Deutschland! Nee, also das gefällt mir überhaupt nicht! Muss so etwas denn wirklich sein?
Als ich zurückgehen will, treffe ich auf eine
Seniorengruppe. Dabei erfahre ich, dass diese Männer aus meinem Heimatort kommen und ebenfalls morgen
abreisen. So ein guter Zufall! Endlich kann ich vielleicht an nähere Informationen kommen! Ich frage einen der Männer nach der Abflugzeit. Er holt seinen
Fahrschein aus der Jackettasche und lässt mich mitlesen. Der Fahrschein ist ähnlich einem Kassenbon – in
violetter Schrift bedruckt.
Abflugszeit ist
sieben Uhr und der Flug kostet
230 Euro. Es tut gut, nun Näheres zu wissen. Ich frage, ob wir uns morgen vielleicht den Senioren anschließen dürfen, da ich auch noch nicht weiß, wo der Flughafen ist und auf welchem Wege wir dort hinkommen können. Damit sind sie gerne einverstanden. Prima, das Problem wäre also fast gelöst und ich entspanne mich etwas.
Ich will zurück zum
Hotelzimmer, komme draußen am
alten Bahnhofsgebäude entlang. Seitlich, dort wo sich eine kleine Verladerampe befindet. Gerade wird erzählt, dass hier kürzlich
zehn Menschen ertrunken sind, und dies erst
zwei Tage später bemerkt wurde, obwohl sich rundherum viele Menschen aufgehalten hatten! An dem Tag war allerdings kein Strandwetter, was der Grund dafür war, dass dieser
schreckliche Vorfall nicht bemerkt wurde.
Ich möchte sehen, was passiert ist und öffne den Laden zu dem stirnhoch ummauerten Grund. Dieser nach oben offene Raum steht voller
Meerwasser. Das Wasser fließt trotz geöffneter Türe nicht heraus und ich kann in das Becken hineinsehen (wie in ein Aquarium). Ich sehe die Leichen darin herumtreiben. Ganz vorne ein schlanker
Frauenkörper, deren Kopf über der Wasseroberfläche treibt. Ich muss plötzlich an
Jasmin Tiefensee denken. Sie hat schulterlange glatte, dunkle Haare. Starr recken sich ihre Arme in
hilfeflehender Geste aus dem Wasser. Die verdrehten Augen sind aus den Höhlen getreten. Möglich, dass die Wasserbewegungen den Leib in Bewegung setzen, aber ich bin nicht sicher... vielleicht lebt sie noch? Der Anblick ist allerdings so
grauslich, dass ich mich kaum traue, genauer hinzuschauen. Ich schließe schnell die Tür und gehe langsam weiter. Aus dem Augenwinkel schaue ich zu ihr zurück... Fleht sie um Hilfe? Ist es ein Aufbäumen aus
letzter Kraft? Aber der Körper wirkt bereits totenstarr – ich kann gar nichts mehr machen. Schrecklich.
Es ist an der Zeit, die morgige Abreise vorzubereiten. Gemeinsam mit Moina fange ich an, das
Hotelzimmer aufzuräumen. Wilma ist bereits da und hat angefangen. Da ich nicht weiß, wann genau in der Frühe ich losmuss, sollte ich soweit als möglich alles vorbereiten, damit am folgenden Tag nicht unnötig Zeit verloren geht. Ich habe bereits vieles in einen Beutel – halb
Müllsack, halb
Rote-Kreuz-Sack – gesteckt. Die gebrauchte
Bettwäsche liegt auf einem Haufen am Boden. Ich trage die Wäsche hinaus, damit ich das morgen nicht mehr erledigen muss - wir dürfen keinesfalls den Flieger verpassen.
So hänge ich die
Steppdecke gefaltet über den rechten Arm, lege eine
bunt bedruckte Baumwolldecke darüber und mache mich auf dem Weg. Dieser führt wieder seitlich am Bahnhofsgebäude vorbei – dort wo ich vorhin die Leichen im Wasser entdeckte, wovon hier und jetzt allerdings weder die Rede ist, noch scheint es in irgendjemandes Bewusstsein zu sein. Hier begegnet mir eine kleine Gruppe alter
iranischer Männer. Sie tragen dunkle alte Kleidung und Tücher um die Köpfe gewickelt. Obwohl es
Iraner sind, muss ich kurz an
Juden denken. Als die Männer mich sehen, halten sie kurz inne und betrachten mich. Dann ist es so, als würden sie mich erkennen, woraufhin sie sich
bekreuzigen, ein kurzes Gebet
murmeln, die Augen senken und sich verneigen. Das finde ich sonderbar... Warum machen sie das? Es ist doch augenscheinlich, dass ich eine
deutsche Touristin bin. Ich habe mich ja noch
nicht einmal verschleiert!! Oder denken sie gar, dass die große Decke, die meinen Körper fast gänzlich bedeckt, mein Schleier ist? Etwas irritiert gehe ich an ihnen vorbei.
Hinter den Männern kommt in kurzem Abstand eine Gruppe alter
iranischer Frauen daher. Es sind
alte Bäuerinnen, die ihre
Tücher schützend ins Gesicht drücken. Als sie mich sehen, halten auch diese inne. Und wieder scheint mir, man würde mich erkennen!
Demütig senken sie ihre Blicke, und gehen sich verneigend weiter und machen dabei
heilige Zeichen. Was sehen sie in mir? Wer bin ich in ihren Augen? Ich fühle mich wie eine
deutsche Touristin, und
ohne Kopfbedeckung habe ich das unangenehme Gefühl,
nackt zu sein. Dies spüre ich aber erst hier und jetzt so deutlich.
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