Mein Traumtagebuch ist umgezogen: KLICK

Ahnen

21
Apr
2009

Aufgeblasene Großmudder

Traum:
Früher Morgen. Es sind diese Minuten, da mir sehr bewusst ist, dass ich nicht immer in Frankfurt gelebt habe. Ja, dass ich mich hier eigentlich noch ziemlich fremd fühle. Gleichzeitig genieße ich den Ortswechsel, diese Veränderung. Ich stehe draußen vor einem Haus, am Rande einer noch ruhig daliegenden Hauptverkehrsstraße und telefoniere mit meiner alten Schulfreundin Doris. Wir tauschen uns über unser Befinden aus. Unser Gespräch plätschert angenehm dahin.

Allerdings kommt es mir bald so vor, als werde unsere Verbindung immer dünner. Ich kann sie kaum noch verstehen. Gerade sind wir dabei, einen Termin für ihren Besuch bei mir zu vereinbaren. Das will ich nun aber genau wissen und so erlebe ich es als ziemlich anstrengend, immer ganz genau hinhören zu müssen, weil Doris' Stimme nur ganz leise ankommt. Dass ich anstelle eines Telefonhörers ein breites Polster – wie von einer Couch die Rückenlehne, aus altrosa Velours – in den Händen halte und immer wieder hinein horche, ist nichts Besonderes. Außerdem geht es im Augenblick ja auch um den genauen Termin. Obwohl ich nun mehrfach nach dem Zeitpunkt ihres Kommens fragte, geht Doris nicht darauf ein. Sie ignoriert meine Frage. Irgendwann frustriert mich das so sehr – ich fühle mich regelrecht blockiert – dass ich auflege. Sie möchte nicht, dass ich auflege, also tue ich es nicht. Da höre ich, wie jemand zu Doris ins Zimmer kommt, und Doris spricht zu dieser Person: „Ich wollte Dich nicht wecken, darum habe ich ganz leise gesprochen.“ Ah so, ihre Schwester Änne... damit erklärt sich einiges.

Während dieses unbefriedigenden Telefonats habe ich mich um 180° gedreht – den Blick von der Straße weg hin zur Hauswand. Mudder Schomoker tritt aus dem Haus, will mir das altrosa Sitzpolster entreißen! Ich weiß auch warum: Sie möchte nicht, dass es jemand sieht und mich dann für verrückt hält, weil ich mit einem altrosa Polster spreche. Ja, hört Mudder Schomoker denn Doris' Stimme nicht? Natürlich gebe ich das große Kissen nicht her; wäre ja noch schöner! Ich bin etwas empört darüber, dass sie derart übergriffig wird.

Im nächten Augenblick stehen wir einige Schritte weiter vor dem Holzzaun ihres kleinen Bauerngartens. Mudder Schomoker – ich erlebe sie nun als meine Schwiegermutter – wünscht sich, von mir umarmt zu werden. Rein äußerlich sieht diese alte Mutter aber wie meine Großmutter aus; allerdings doppelt umfangreich als tatsächlich je gewesen. Natürlich umarme ich sie. Ich umarme sie ganz vorsichtig, bald herzlicher, streichele ihre Arme und beginne sie hin und her zu wiegen. Dabei spüre ich ihren strammen Körper, der sich prall wie eine fest aufgeblasene Luftmatratze anfühlt. Irgendwann sagt sie tief berührt: „Das tut so gut!“ Ihre offenen Worte berühren mich, denn bisher sprachen wir nie über unsere Gefühle.

Prall:
Roter Sumo-Mann und Luftmatratzenfloss

22
Feb
2009

Der Mann mit den Muscheln im Gesicht

Traum:
In der Kita findet eine Veranstaltung statt; Eltern, Großeltern, Kinder und Betreuer - lebhaftes Gewusel. Einige stehen herum, andere sitzen an eigens dafür zusammengeschobenen Tischen beisammen. An einem Tisch sehe ich einen Mann sitzen, dessen Gesicht über und über mit winzigen Steinchen oder Muscheln geschmückt ist – Grau, Creme, Meerblau. Es erinnert ein wenig an eine Kriegsbemalung oder Tätowierung. Ins Auge fallen seine sensibel geschwungenen Lippen.

Eine Unterschriftensammlung wird herumgereicht. Ich beuge mich zu einem der Tische, lege das Schriftstück ab und setze zum Schreiben auf dem gilben linierten Papier an. Die blaue Tinte des Fineliners verteilt sich breit, so sehr drückt sich die Spitze ins etwas raue Papier. Mar... – beginne ich meinen Namen zu schreiben, doch irgend etwas lässt mich mittendrin zurückfahren. Im ersten Augenblick weiß ich nicht, warum. Doch dann entdecke ich auf dem Tisch, direkt neben dem Papier mit den Unterschriften, büschelweise Haare von mir liegen. Beim Hinüberbeugen hatte ich meine Haare unbemerkt in die Flamme einer Kerze gehalten und mir reichlich davon direkt am Haaransatz abgebrannt. Ich greife einen Haarbüschel – goldblond, weich und wellig... Oje, ganze Strähnen habe ich verloren! Einige der Eltern schauen zu mir her, ohne jedoch Betroffenheit zu zeigen.

Ich gehe weiter nach links. Im gleichen Raum, an einem anderen Tisch, sitzt der Ältere. Die Ältere steht daneben. Er beteiligt sich an einer Aktion der Kita. Im ersten Augenblick zweifele ich daran, dass seine Teilnahme überhaupt gültig ist; sollen nicht nur die Eltern teilnehmen? Doch dann lese ich, worum es geht. Es ist eine Namensliste; jeder hat die Möglichkeit, den Namen eines vermissten Familienangehörigen einzutragen. Der Ältere macht seinen Eintrag an 5. Stelle:

Meta M. wird als vermisst gemeldet.

Ach ja... das hatte ich mit der Zeit völlig vergessen oder verdrängt... - ich sah/träumte sie schon seit langer Zeit nicht mehr.

Die nächsten Schritte führen mich in einen Raum mit großen Scheiben, durch die die Sonne ihr warmes Licht scheinen lässt. Es ist schön licht und warm in dem Raum, in dem sich einige Elternteile aufhalten. Ich lehne mich an eine Tischkante. An meiner linken Seite ein Mann, der den Arm um mich legt, mich beschützt und gut zu mir ist. Anfangs sehe ich ihn nur im Augenwinkel, doch dann schaue ich direkt hin, um mich zu vergewissern... Tatsächlich, mir gegenüber – mehr nach rechts – sitzt der Mann mit dem Muschelgesicht. Doch er hat sich von den Steinen befreit! Im Grunde erkenne ich ihn jetzt nur an seinen fein geschwungenen Lippen, die denen von Mike so ähnlich sind; seine Haut sieht aus wie frisch rasiert – glatt und verletzlich. Na, da gehört etwas dazu, nach so langer Zeit einen solchen Gesichtsschmuck aufzugeben. Irgendwann hatte er sich zum ersten Mal auf diese Weise zurecht gemacht, es gefiel ihm und seinen Mitmenschen, und so wurde es bald zu einer Selbstverständlichkeit und Gewohnheit, das Gesicht mit Steinen/Muscheln zu bedecken; immer dann, wenn er das Haus verließ. Ich finde es mutig und toll, dass er sich davon nun trennen mochte. Ein weiterer Blick zu dem Muschelmann offenbart, was ich bisher nur unterschwellig bemerkte: Er trägt eine Brille; eine Brille, deren linkes Glas mit Folie abgeklebt ist, wie um ein Schielen zu korrigieren. Durch diese trübe Schicht ist sein Auge nur unscharf zu erkennen.

28
Jan
2009

Das große Vergessen der Großmutter

Traum:
Ein Teil der Nacht war mit Systemaufstellungen gefüllt. Meine Aufmerksamkeit richtete sich voller Konzentration auf diesen Bereich. Ähnlich nahm ich auch die anderen Teilnehmer wahr.

Irgendwann führen mich die nächsten Schritte in eine Großmutterküche. Ich bin in Begleitung eines etwa vierzigjährigen Mannes, der stets die Lage mit neutraler Einstellung im Blick behält. In der Großmutterküche ist kein Licht eingeschaltet. Man gibt sich mit dem spärlichen Tageslicht zufrieden, das durch ein Fenster, vor dem einige alte Bäume stehen, in den Raum fällt.

Meine Großmutter sitzt auf einem Stuhl nahe dem Küchentisch – Blickrichtung über den Tisch hinweg zum Fenster. Ich hocke oder stehe seitlich vor ihr, als sie eine halb aufgetauten Tiefkühlpizza von der Schutzfolie befreit. Dabei dreht sie die Pizza mit der belegten Seite nach unten. Zwiebelstreifen und Käseraspel fallen runter, landen in ihrem beschürzten Schoß.

Ich sage freundlich: „Dreh die Pizza doch anders herum, damit der Belag nicht herunterfällt.“
Großmutter unbeteiligt: „Das will ich nicht.“
Ich: „Möchtest Du die Pizza lieber ohne Belag essen?“
Großmutter, etwas wacher: „Das will ich nicht.“

Ich greife ein, drehe die Pizza um, doch Großmutter dreht sie gleich wieder anders herum. Immer wieder sammele ich Zwiebelstreifen, Raspelkäse oder Ananasstückchen von ihrer Schürze und drapiere sie auf der Pizza. Inzwischen fällt es mir wieder ein: Großmutter ist dement! Als ich dies erkenne, wird es mir mit einem Male ganz leicht, gelassen und geduldig zu sein. Ich nehme meiner Großmutter diese Sache ab, werde dafür sorgen, dass die Pizza aufgebacken wird. Noch einmal fällt was in ihren Schoß. Eine Handvoll Spaghetti fische ich aus der Schürze. „Oh nee, Pizza mit Spaghetti mag ich gar nicht.“ Ich nicke meiner Großmutter freundlich und ermunternd zu, während ich die Pizza auf dem Küchentisch abstelle. Das lässt das gute Gefühl zurück, diese Sache gut abgeschlossen zu haben.

Dann lasse ich die Küche und die Großmutter hinter mir, trete durch einen Seiteneingang – der meinem Empfinden nach gar nicht existieren kann – hinaus auf einen kleinen Seitenarm der Bauerndiele. Kaum habe ich die Tür geöffnet und bin über die Schwelle getreten, saust der Hofhund – ist es Grete? – auf mich zu. Er erinnert ein wenig an Purzel, hat aber im Gegensatz zu ihm einen rundlichen Kopf, der dem der scharfen Grete ähnelt, aber ein helleres Fell hat. Anfangs war der Hund sichtlich bereit, die Grenzen mit dem Einsatz seiner Zähne zu verteidigen. Doch dann sieht er mich, erkennt mich wieder – da wir uns während der Systemaufstellungen mehrfach begegnet waren – und hechelt mit freundlichem Antlitz. In meiner rechten Hand halte ich ein Objekt, das einem mit schwarzer Tinte beschriebenen Blatt Papier ähnelt. Sicherlich wäre auch dies das Ziel seiner Bisse gewesen, aber nun habe ich ja nichts mehr zu befürchten.

29
Nov
2008

Schlinge

Traum:
[...] Ein Innenraum ohne Fenster. Mitten im Raum das Licht einer Schreibtischlampe im Dunkel. Rechts neben mir steht die Ältere. Ein schlanker Mann – Herr Koch? – im Geschäftsanzug stürzt aufgebracht herein. Seiner Ansicht nach habe ich nur oberflächlich erarbeitete Informationen in die Öffentlichkeit getragen, wodurch nur ein Bruchteil dessen wiedergeben wird, was an Wissen zu diesem Thema wirklich vorhanden ist!

Der Mann setzt sich, legt einen Stapel Dokumente auf den niedrigen Couchtisch vor sich und beginnt sofort damit, eine lange Abhandlung vorzulesen, um damit zu konfrontieren, was ich alles zu erklären versäumte.

Oje!!

Der Mann liest rasch, so als gelte es, keine Zeit zu verlieren. Das Papier mit dem Text geht sichtbar über mein nach unten reichendes Blickfeld hinaus. Es ist aber zu erkennen, dass es ein einziger Absatz ist; die Buchstaben eng aneinander gereiht, in kleiner Schrift. Die einzige Auflockerung findet sich inmitten des Textes: drei kursiv geschriebene Worte. Es geht um Grönland, Eisberge und um mutige Walfischfänger, die offenbar gerade einen ganz fetten Fisch an Land ziehen.

Mit einem Male kommt mir etwas in den Sinn... wie elektrisiert stürze ich hinaus, die Stiege zum Dachboden der Älteren hinauf. Es ist so, als habe ich ähnliches erwartet, was ich nun tatsächlich vor Augen habe: zwei Stecker mit je einem Stück Elektrokabel liegen auf dem Boden. Eines mit schwarzer und eines mit roter Ummantelung. Beide zu einer Schlinge gelegt. Aha, also tatsächlich! Genau das war meine Vermutung. Ich selbst hatte nämlich von einem Steckerkabel geträumt, das genau so zu einer Schlinge geformt da lag. Die Ältere träumte auch davon – zur gleichen Zeit... Die Bedeutung leuchtet mir sofort ein: Dachboden... Schlinge... dies erinnert an einen Strick zum Erhängen. Wir haben Großmutters Freitod durch Erhängen noch gar nicht verarbeitet!

Warum nur hat das in all den Jahren nie jemand gemerkt?

21
Okt
2008

Strassbesetzte Kettenschaukeln

Traum:
Zusammen mit einer un-bekannten Frau an einem Ort in weichem Schein. Dem Dunkel einer hohen Himmelskuppel entspringend, hängen zwei Schaukeln im Licht. Diese Schaukeln hängen an Ketten die mit Strass besetzt sind, was nur ganz vage an einem kleinen Funkeln hier und da zu erkennen ist.

Meine Großmutter – sie ist Vorsitzende des Landfrauenvereins – kommt mit ihrer Truppe hinzu. Die Frauen tragen alle lange Festkleider. Sie laufen ein wie in eine Zirkusmanege – also ist ganz klar: sie bereiten sich auf einen geplanten Auftritt vor.

Ganz heiter rufe ich meiner Großmutter zu: „...schon warmgeschaukelt!“ Damit will ich erklären, dass die Frau an meiner Seite und ich hier schon eine Weile geschaukelt haben; die Schaukel also gut vorbereitet sind. Worauf meiner Großmutter etwas ungeduldig antwortet: „Aber du weißt doch: wir werden nicht schaukeln, sondern neben den Schaukeln singen!“

Jaja, das habe ich gewusst. Aber trotzdem...

16
Jul
2008

Martins Ausweis

Traum:
Gemeinsam mit Mike betrete ich die Großelternküche in Grasdorf. Da ich als erste über die Schwelle gehe, betätige ich den altertümlichen Lichtschalter rechts am Türrahmen. Er scheint nur mehr locker dran gesessen zu haben, denn augenblicklich halte ich den ganzen Stecker in der Hand. So ein Schreck!! Zumal jetzt die Stromleitung ungeschützt daliegt. Mike kritisiert übellaunig meine Ungeschicklichkeit.
„Was soll ich jetzt bloss machen?“

Opa Martin ist in der Küche und sagt mit ruhiger Stimme, ich solle ihm den Stecker geben, er wolle es wieder richten. Scheinbar ist es nicht so dramatisch, wie ich eben dachte. Opa Martin dreht sich um und wendet sich dem orangegelben Automaten zu – ein uralt-Ding – der auf der Spüle steht. Er gibt seinen Ausweis – ich gab ihm ja den Stecker, den Ausweis – in einen breiten Schlitz und warte... Der Automat wälzt das schwarze Ausweisbüchlein schubweise herum, um die Identität zu überprüfen. Es dauert ein paar Minuten, ehe der Ausweis wieder ausgeworfen wird. Der Automat hat die Angaben akzeptiert. Alles wird gut.

24
Apr
2008

Erwachender Großvater in Tropfsteinhöhle

Traum:
Eine abseits gelegene Krankenkammer mit zwei Betten. Ich sitze auf der Bettkante. Eine Frau mit glatten dunklen Haaren liegt im Bett gegenüber. Wir unterhalten uns über die Songs auf unseren Mp3-Playern – zwei gefallen mir ganz besonders. Weiter geht es darum, dass ich mit zwei Frauen telefonierte. Ich erzähle der Dunkelhaarigen, wie sehr ich mich freue, mit diesen beiden Frauen in Kontakt zu stehen.

Szenenwechsel: Mein Bett steht hinter dem Kopfende der Dunkelhaarigen, als die Älteren zu Besuch kommen und fragen, wie es mir so geht. Ich klage darüber, wie langweilig es sei, nur mit diesen zwei Frauen telefoniert zu haben. Allerdings... unangenehm; die Präsenz der Dunkelhaarigen, die ja beide Meinungen bezüglich der Frauen hören konnte, macht mir bewusst, dass ich mit gespaltener Zunge spreche... Oder? Ist es nicht so, wenn ich gerade eben noch Begeisterung für etwas zeigte und nun über Langeweile klage? Merkwürdig, ein wenig habe ich dennoch das Gefühl, mir mit diesen Gedanken ein wenig Unrecht zu tun. Na, ich muss jetzt aber auch endlich los und Brötchen zum Frühstück holen!

Mit weitausholenden Schritten und offener Jacke eile ich durch eine stille Nacht, deren Weg in einem warmen Licht liegt. Dabei erfahre ich einige interessante Details über Stalaktiten und Stalagmiten. Diese Tropfnasen gäbe es in dreierlei Erscheinungsformen: von unten und von oben kommend, und die dritte sei eine von oben kommende, parallel zu einer lotrechten Eiswand wachsende, die dann irgendwann schräg wachse, um von außen kommend die Eiswand zu durchwachsen um nach innen zu gelangen. Während ich diese Info interessiert aufnehme, gelange ich bald an ein unbewohnt wirkendes Bauernhaus. Ganz nah trete ich an ein Fensterkreuz und blicke durch eine der vier Scheiben. Es bietet sich ein bemerkenswerter Anblick. Das Innere des Bauernhauses ist mit einer Tropfsteinhöhle verwachsen, die nun langsam wegschmilzt. Große tauende Eiszapfen wachsen von der Zimmerdecke herunter – sie tauen schnell. Ein imposanter schmelzender Zapfen hängt direkt vor mir am Fenster. Das Licht drinnen ist so warmgelb wie in der Nacht. Ich sehe auch drei dieser schräg ins Haus eindringenden Tropfnasen. Die Eiswand am Haus ist nass vom Schmelzwasser.

Innen im Bauernhaus. Nacht. Die dunkle Diele steht in hellem Licht. Auf dem früheren Weg, der vom Wohnbereich kommend, über die Wirtschaftsdiele zum großen Tor führte, stehen Sachen abgestellt. Zwei alte Holzherde werden als Abstellfläche genutzt. Meine Großmutter hat dunkle Bleche mit Butterkuchen darauf stehen. Der erste Herd wirkt tatsächlich kühl und leblos. Dem zweiten Herd ist noch die ehemalige Wärme, sein inneres Feuer anzumerken. Ich spüre etwas Lebendiges. Zwei vertraute Personen sind von hinten hinzugekommen. Ich zeigte mit der Spitze meines hölzernen Regenschirmstockes auf den zweiten Herd. Als ich nun einen zweiten Blick dorthin werfe, brutzeln die Butterkuchen auf dem Backblech! Wieder zeige ich mit dem Stock auf den nun auf höchster Stufe eingeschalteten Schalter und überlege, ob ich ihn beim Zeigen versehentlich in Gang gebracht habe. Gebe meine Vermutung an die zwei Vertrauten weiter, um deren Meinung zu hören. Sie äußern aber keine.

Dieser unbeabsichtigte Entstehung des Feuers, die das Gefühl eines drohenden Kontrollverlusts und der Nachlässigkeit entstehen lässt, bringt einige Unruhe mit sich. Gleich neben dem Feuerherd schläft mein Großvater auf einem alten dunklen Holztisch. Das Licht, unsere beunruhigten Stimmen wecken ihn und bald murrt er schlechtgelaunt auf: „Was ist das für ein Lärm und Licht hier?“ Oh ja, wie unangenehm, wir stören ihn. Schnell springe ich zu ihm und schlage mit der flachen Hand direkt vor seinem Gesicht auf die Unterlage. Spüre dabei deutlich die Spalte unter dem Bettlaken, da wo der Übergang vom Mittelteil zur Ausziehplatte des Tisches verläuft. Ich schlage mehrmals, um das Licht zu löschen, aber es gelingt nicht! Meine Handinnenflächen beginnen zu schmerzen. Mein Großvater erhebt sich aus dem Federbett, kommt erst jetzt richtig zum Vorschein: Ein schwarzes elastisches Gitternetz überzieht stramm seinen Kopf, der wie ein weißer Kegel ausschaut. Aus diesem schält er sich nun heraus, und wirkt jünger, freundlicher und lebendiger. Mit plötzlicher Mädchenhaftigkeit umfange ich ihn mit meinen Armen, schäkere herum und drücke ihm unzählige Küsschen auf die Wange. Dies zeigt eine besänftigende Wirkung, ja er beginnt sogar vor Vergnügen leise zu lachen. Zwei schmale junge Köche mit hohen Hauben erscheinen auf der Bildfläche und zeigen sich aufgeregt ob der Situation, die wir bieten. Die Beiden wirken künstlich aufgebracht, so als handele es sich um die Einlage einer Stand-Up Comedy.

Links:
Mit vielen Abbildungen: Gusseisenöfen und Küchenherde – Ein historischer Rückblick (pdf)

Cherry Tulips
Metal Heart
The Glowing Mask

Verwandter Traum:
Großvaters Karzinom

24
Dez
2007

Anneliese aus dem ewigen Schnee

Traum:
In der Nacht. Mike und ich haben die verstorbene Anneliese abgeholt, gehen eine dunkle winterliche Dorfstraße – Schnee! - entlang. Irgendwann gelangen wir an eine Böschung, überlegen kurz, und klettern diese dann hinauf. Oben angekommen, reichen wir Anneliese die Hand, um ihr zu helfen, und gelangen mit ihr gemeinsam durch eine geschmolzene Öffnung wie aus ewigem Schnee hinaus.

Die Straße im Dunkel, winterlich, aber ohne Schnee und Eis. Wir gehen nach rechts und gelangen direkt an einen Bahnübergang. In diesem Augenblick werden die Schranken heruntergelassen „bimm bimm bimm“ – rotes Licht? Nachdenklich mein Blick auf die Straße gerichtet. Direkt vor dem Übergang ist eine Spalte im Asphalt und gewährt einen Blick ins Unterirdische. Zwei grüne Lichter – wie zwei Augen – leuchten dort unten im Dunkel. Es gäbe also einen Weg... auch jetzt. Schweigen – undenkbar, den anderen davon zu erzählen. Mike geht einen Fußweg nach rechts ab, Richtung Parkbank – eine Zigarette rauchen. Nein, Anneliese und ich rauchen nicht – sowieso nicht, jetzt nicht. Wir folgen Mike nicht ganz, halten inne. Eine junge Frau mit Inline Skates. Ihre Beine auffällig dünn. Warum sie ihre Beine beim Inlinern wohl so nah beisammen hält? Wie dem auch sei, sie kommt ja trotzdem gut vorwärts. Aber da! Sie beginnt zu trudeln und prallt frontal gegen einen dunklen Van – BOMM! Kurz droht sie besinnungslos zusammenzusinken. Doch dann rappelt sie sich und setzt ihren Weg mit geschmeidigen Bewegungen fort – so, als sei nichts gewesen.

3
Dez
2007

Blutender Sohn und sonderbare Großmutter

Traum:
'Die goldene Stadt' von Traumzeit
Ein undefinierbarer Raum – ich spüre den Geist der Vergangenheit. Mein Körper so leicht, wie ein Erinnern nur, an eine Zeit. In diesen Minuten trafen mein kleiner Sohn (4 oder 5 J. alt) und ich die letzten Vorbereitungen für den heutigen Schultag. Mit seinem kleinen Rucksack und einer Mütze auf dem Kopf sehe ich ihn bald auf seinem Rad davonfahren. Und wie ich ihn so sehe... Ganz tief, kaum greifbar, spüre ich ein Grauen in mir... als radele er in ein Unglück hinein. So tief dieses ahnende Gefühl, so unfassbar... - so ein Unfug! In mir erwacht ein Schluchzen, steigt auf; zerbricht in der Kehle. ‚Wie süß der Schlaf... wäre.’

Nun bin ich also angekommen, in der fernen fremden Stadt. Ich stehe auf einer Höhe, auf einem felsigen Vorsprung, der mit rundlichen Wackersteinen übersät ist. Der Blick geht weit. Ganz in Grautönen liegt sie vor mir im Tal: die Alte Goldene Stadt (Prag -> Fenstersturz). Hinter meinem Rücken spüre ich die alten Bauten (Phllippsruh’); eine Sehenswürdigkeit am Stadtrand. Die Steine vor mir sind wohl das Steinerne Meer. Auf einigen der Felsen sitzen steinerne Köpfe. Die Köpfe sind bemalt – zeigen asiatische Gesichter im Manga-Stil. Dies zu sehen, hat etwas sehr Eindringliches, so als würden diese stummen Zeugen zu mir sprechen. Ganz sachte und von innerer Ruhe erfüllt lege ich meine Hand auf einen dieser Steinköpfe. Schließe meine Augen und schaue wie durch ein weiteres Auge… Daraufhin löst sich das Antlitz auf und wird zu einem vertrauten Stein. Das mache ich mehrmals und wundere mich.

Ich warte... auf sie. Noch sehe ich sie nicht. Noch nicht einmal dort, wo ein wenig Brachland zwischen der goldenen Stadt und diesem Felsenvorsprung liegt – was diesen Bereich ja eigentlich recht überschaubar macht. Dennoch könnte die Frau durch ein Gebüsch oder von einer natürlichen Nische verborgen sein. Ganz rechts, am Rande der Wahrnehmung – wie in einem hellsichtigen Moment - taucht kurz mein kleiner Sohn auf, wie er mit dem Fahrrad fährt. In Gedanken spreche ich ihn an: Du bist ganz rot unter der Nase?! Bist Du dort wund? Oder blutig? Der Anblick löst sich auf. Vor mir liegen die Steine, dahinter geht es senkrecht bis hinab ins Tal. Rechts von mir steil hinabführende Stufen, die man hinunter klettern kann. Das werde ich tun. Ich werde ihr entgegen gehen!

Unten angekommen, der Steilhang liegt direkt vor mir, kommt Mike mit unserem Sohn hinzu. Zornig und anklagend sagt Mike: „Ich habe ihn von der Schule genommen! Ein Psychologe hat sich bereits um ihn gekümmert und ein Gespräch geführt! Dabei ist herausgekommen: Er wurde fünf Jahre lang täglich geschlagen!! Und Du sagst, es sei alles in Ordnung?!!“ Seine letzten Worte sind wie brüllende Ohrfeigen ob meiner Ignoranz. Tiefste Betroffenheit dehnt sich in mir aus. Ich... ich habe davon nichts gewusst... Ich knie vor meinem Sohn hin, umfasse seine Schultern, schaue ihn an. Das Blut strömt aus beiden Nasenlöchern. Da ist Schmerz... ich fühle mich überwältigt, handlungsunfähig, bewegungsunfähig – so als sei ich gebannt. Ich ahnte nichts von alledem. Ich bin so froh, dass Mike ihn gleich von der Schule genommen hat. Wir werden später überlegen, wie es weitergehen soll, eine Lösung finden.

Da bemerke ich sie! Meine Großmutter geht hinter meinem Rücken vorbei. Sie ist verblüffend schnell. Ich schaue ihr hinterher. Wie sie geht... mit solch kurzen Schritten, die Oberschenkel zusammen haltend? So jung ist sie an diesem Ort? Aber sie ist es, ich erkenne sie. Nie im Leben sah ich sie so entschlossenen Schrittes gehen?! So eilig? Besser, ich folge ihr sofort, sonst verlieren wir uns aus den Augen. Flink und geschickt, erklimmt sie die Steilwand, so dass sie bald hinter einem kleinen Vorsprung verschwunden ist. Ich stehe noch immer am Fuß der Steilwand, finde zwar Halt an Steinen, jedoch reicht meine Muskelkraft in den Armen nicht aus, mich an den Steinen hochzuziehen. Da links, neben den eingearbeiteten Tritten, gibt es eine alternative Steigmöglichkeit. Zwei ovale, hochkant stehende Felsen – wie geöffnete Schenkel. Sie tragen je eine blau und rot lasierte Steinkugel auf ihrem höchsten Punkt. Daran kann man sich festhalten. Ein Fuß zwischen die Felsenschenkel gestellt, sich hochziehen und dann die nächste Wölbung erklimmen: so ginge es. Aber die Kraft verlässt mich stets in diesem Moment, da ich mich hochziehen will. Immer wieder setze ich neu an. Hinter mir sind inzwischen zwei junge Männer, die ebenfalls hinaufsteigen wollen. Ich entschuldige mich und sage: „Bitte, ich bin so langsam, gehen Sie doch an mir vorbei.“ Es wäre mir lieber, denn ich setze mich wegen der beiden Männer unter Druck; will ihnen nicht im Wege sein. Heiter antworten sie, es sei doch alles okay so. Ich gelange langsam zwei Schritte höher, aber ich fühle mich so entsetzlich kraftlos. Alles in mir scheint nachzugeben, weichzuwerden. Immer wieder versuche ich mich erst an den natürlich geformten Stufen, was erfolglos bleibt, probiere es dann aber an den hochkant stehenden Ovalfelsen. Diese beiden Möglichkeiten werden an dieser Wand mehrmals als Paar geboten. Stets mit diesen roten oder blauen Steinkugeln gekrönt.

Bildherkunft:
Originalbild von Stock.Xchng/ raatcc36

13
Nov
2007

Der Weg zum Einsiedler

Traum:
'Postbank - vom Hauptfriedhof aus gesehen' von Traumzeit
[…] Im Kassenbereich einer Autobahnraststätte. Mike und ich sind auf dem Weg nach Worpswede, kaufen hier eine Kleinigkeit für unterwegs. Ich bemerke, dass ich den herbstblauen Strickpullover trage, den ich bereits gestern zum Martinsfeuer/Laternenlauf anhatte. Mike übt einige Kritik an einem Verhalten, das ich jüngst zu Tage legte. Ich muss ihm zustimmen, denn er hat Recht, und das fühlt sich nicht so gut an. Hinzu kommt, dass ich deutliche Unlust spüre, mich in dieser Hinsicht zu verändern; was mein Befinden nicht gerade bessert.

Hinaus! Toll, der Abwasch der feinen Porzellan-Essteller ist erledigt. Mit einem guten und unbeschwertem Gefühl mache ich mich auf den Weg zu einem Treffen mit Angelique/“die Dame“.

Vermutlich war ich gerade austreten, und kehre nun in den Hauptraum, an unseren Tisch im „Kaffee Verrückt“ zurück. Vier kleine quadratische Tische – sogenannte Katzentische – stehen um den Lebensbaum/ Totempfahl herum. An einem dieser Tische sitzen wir. Auf unseren Plätzen je ein Getränk und eine kleine Mahlzeit. Unsere Mäntel haben wir auf die „Worpsweder Stühle“ an einem zweiten Tisch abgelegt. Dabei bemerke ich mindestens einen Mantel aus pantherschwarzem Fellimitat; vielleicht sind es auch zwei. Gleich zwei Tische in Beschlag zu nehmen ist natürlich ziemlich zwanglos, aber da hier im Moment wenig los ist, dürfte es kaum stören.

Kaum sitze ich wieder auf meinem Stuhl, spüre ich den damaligen Geschäftsführer hinter meinem Rücken nahen und drehe mich um. Er hält inne – ein kleines Silbertablett mit einem Kaffeegedeck tragend – und schaut zu uns her; zu den Mänteln an dem zweiten Tisch und sagt: „Sollte es hier voller werden, nehmen Sie doch bitte die Mäntel an Ihren Tisch.“ „Ja, ist doch eh klar – machen wir!“, antworte ich gutgelaunt. Dabei fällt mein Blick auf seine Schuhe. Schwarze Lederschuhe mit zwei Längsnähten, Schuhgröße 45, eher 46, am Fußballen ausgeprägt kräftiger Fuß mit eher breiter Trittfläche. Irgend etwas in Hinsicht auf meine eigenen Schuhe geht mir dabei durch den Sinn – vielleicht Vergleichendes, das mich unentschlossen zurücklässt. Kurz überlege ich, die Mäntel bereits jetzt an unseren Tisch zu nehmen; dann wäre es gleich geklärt. Aber ach, es ist soo gemütlich so.

Von außen höre ich die Kfz-Mutter ihren Sohn zu sich rufen. Er ist etwa so alt wie ich, hält sich auch hier im Hauptraum auf. Die Mutter lässt ihn wissen, sie sei jetzt bereit, offen und voller Lust. Aha, denke ich, sie ruft zum Sex. Erfreut macht sich der Sohn auf den Weg, geht durch den Seiteneingang hinaus. Angelique steht auf und sagt, sie wolle hinausgehen und eine Zigarette rauchen; ob ich mitkomme. Ich folge ihr und wir verlassen das Café ebenfalls durch den Seiteneingang – real ist dort die „Koenemann-Ecke“.

Ich trete in mondenhelle Nacht – allein – auf die Grünfläche hinter dem Elternhaus, mit langgestrecktem Holzschuppen (den es real heute nicht mehr gibt). Vor der ersten der drei Schuppentüren liegt ein wachender Hut Hund. Er hebt den Kopf, als er mich bemerkt und schaut mir ins Gesicht. Ein sonderbarer Hund mit blanker Haut, so als habe man ihm das Fell über die Ohren gezogen. Seine Haut glänzt gebräunt – wie enthäutete, frisch gebratene Hühnerbrust. Dann passiere ich den mittleren Schuppenbereich. Hinter den Bretterwänden bemerke ich Mutter und Sohn, deren Energie durch die Bretterritzen schwillt und sich zu einem nebelhaften Bild formiert: die Mutter liegt auf einem Strohlager mit weißem Laken, umrahmt von Holzscheiten, die an den Wänden hochgestapelt lagern. Ihr langes weißes Gewand, in üppigen weichen Falten liegend, ist hochgeschlagen, ihr Leib (Schoß) wirkt weit und offen, die Schenkel gespreizt und die Arme weit geöffnet, empfängt sie ihren Sohn und den Heiligen Geist. Der Sohn, er hat die Gestalt eines Jünglings, hat die Hose abgelegt, ist im Begriff, mit aufgerichtetem schlanken Stab in den weichen Schoß einzudringen. Eine erregende Situation, wie prickelnde Sektperlen an den Lippen. Ich könnte durch die Ritzen schauen, um mir einen genaueren Eindruck zu verschaffen, aber die Höflichkeit ist stärker als die Neugier und ich gehe weiter, wobei sich die Erregung bald auflöst. Im Vorübergehen werfe ich einen Blick in den offenen Eingang, direkt neben dem Lustraum. Dieser offene Bereich zeigt sich angenehm aufgeräumt, leer – da sind nicht einmal Schatten in den Ecken zu sehen. Ein Hund bewacht auch hier den Eingang.

Auch vor der dritten Schuppentür, also am Ende des Schuppens, liegt ein wachender Hund und schaut mich neugierig an. So als würde er mich erkennen, legt er bald den Kopf wieder auf den Vorderläufen ab. Ich sehe auf diesem Weg mehrere Hunde – mit weißem und mit dunkelbraunem Fell. An jeder Tür wacht einer dieser Hunde, die sich alle ähnlich sind, nur ihr Fell ist unterschiedlich.

Dann bin ich am Schuppen vorbei und gehe weiter in den Wald hinein – real führt der Weg, wenige Schritte nur, direkt zum Elternhaus. Die Nacht wird dunkler, rätselhafter, wie von Wolkenschatten durchwoben – vage geisterhaft, ohne zu ängstigen. Vor mir liegt die Holzhütte im Wald, von der ich erst in diesem Moment weiß, dass sie mein Ziel ist.

Das Dunkel ist bald von lautlosem Wispern erfüllt und mir wird es etwas mulmig. Vor der Tür der Holzhütte (real war dort früher mal die Jauchegrube) liegt wieder ein Hund; einer dem das Fell abgezogen wurde, wieder mit gebräuntem Fleisch. In dieser Hütte, so ahne ich, lebt seit Urzeiten ein Familienmitglied; völlig zurückgezogen – vielleicht ein Einsiedler. Es fühlt sich ganz besonders eigenartig an. Etwas Unbeschreibliches, weil noch Unerkanntes Unbekanntes, liegt in der Luft. Im Grau der Nacht sehe ich meine Hand langsam zum Türgriff greifen. ...


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