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25
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2006

Berichte östlicher Ärzte um 1000

1.3 DER  ORIENT

1.3.1 Berichte östlicher Ärzte um 1000


Wie bereits dargestellt (vgl. 1.2.1), fanden Opium und Theriak vor allem über islamische Ärzte zurück ins mittelalterliche Europa. Auch an dem Wort ‘Opium’ und seiner Ausbreitung in Asien kann man gut die Bedeutung des Islam erkennen und die Wege nachvollziehen, die das Opium nahm. ‘Ap yun’ heißt die Droge im Arabischen, im Hebräischen ‘ophion’ (vgl. beides Kreutel 1988:68), ‘afion’ im Türkischen, ‘afiuum’ im Persischen, ‘aphuka’ in indischen Sprachen, und ‘afuyong’ im Chinesischen (diese vier vgl. Seefelder 1990:21). Die sprachliche Ausbreitung des Wortes Opium in Asien geschah eindeutig im Gefolge der arabischen Kaufleute und Missionare des Islam.

Vielleicht ist das Opium als Theriak auch schon etwas früher im östlicheren Asien bekannt geworden, und zwar durch heute fast vergessene Religionsflüchtlinge, wie den Manichäern (frühchristlich gnostisch altiranische Mischlehre), oder den christlichen Nestorianern (der Hauptkirche 431 in Ephesos unterlegen). Marco Polo fand noch viele Nachfahren jener Auswanderer entlang der alten Seidenstraße in Zentralasien (vgl. Seefelder 1990:59). Nestorianer und Manichäer missionierten, nicht erfolglos, auch in Indien und China.

Vielleicht brachten diese schon Schlafmohn und Theriak mit in ihre neuen Siedlungsgebiete, denn in China taucht schon 659 „eine Substanz mit dem Namen ‘ti yeh chia’ = Theriak“ auf (vgl. Kreutel 1988:86). Erst „1596 erscheint erstmals ‘a fu yong’ (Opium) in einem drogenkundlichen Werk Chinas“ (Kreutel 1988:87). In Persien heißen Opiumesser heute immer noch ‘tiriaki’ (vgl. Kreutel 1988:70).

Den islamischen Ärzten (die Perser hatten hier eine Rolle ähnlich der Griechen im Römerreich) war jedenfalls Opium wohlbekannt. Razi (oder Rhazes, 865 925) nennt die genaue Dosis, die nötig ist, „um innerhalb von zwei Tagen den Tod herbeizuführen: ... zwei dirham = 6,246 g“ (Kreutel 1988:33) und beschreibt detailliert die Vergiftungssymptome. Außerdem bemerkt Razi, „...daß alle inneren Organe nach dem Gebrauch von Opium danach riechen. Das sind Erscheinungen, die doch nur bei ganz anhaltendem, also gewohnheitsmäßigem Gebrauch auftreten“ (Hartwich 1911: 153).

Ibn Sina (oder Abu Sina, 980-1037), „dessen Stern unter dem Namen Avicenna auch in das Abendland hinüberstrahlt“ (Seefelder 1990:63), wurde zum Dank für eine Opiumbehandlung des Emirs von diesem in den Wesirstand erhoben (vgl. Seefelder 1990:64). Avicenna sagte, Opium sei ein beruhigendes Narkotikum von kalter und trockener Qualität und „... bestehe aus solchen Stoffen, die den Geist und den Sinn zerstören“ („... est ex eis que destruunt intellectum et sensum“, SQ Avicenna 1507:139, vgl. Kreutel 1988:34). Fast die gleiche Formulierung wie bei Johannes St. Amand 300 Jahre später (vgl. 1.2.2), und die erste überlieferte, die derart fatale Folgen des Opiums erwähnt!

Ein Zeitgenosse Avicennas, al Biruni (973-1048), gibt „eine genaue Beschreibung der Gewinnung von Opium“ (Kreutel 1988:34) und führt dann aus: „In Mekka gewöhnen sie sich daran, indem sie mit kleinen Dosen anfangen, und sie dann steigern, bis hin zu tödlichen. Sie nehmen es täglich, um ihre Not zu vertreiben [=to eliminate distress], um den Körper von den Wirkungen der Hitze zu erleichtern, um einen langen und tiefen Schlaf zu sichern, und sich von überflüssigen Säften zu reinigen“ (e.Ü., SQ Hamarneh 1970:34) „Diese Beschreibung Birunis dürfte die erste genaue Schilderung eines Sucht bzw. Toleranzphänomens sein, die bislang je in einer Sprache erschien“ (Kreutel 1988:35).

Mekka hat bis heute durch seine Rolle als millionenfach besuchte Pilgerstadt eine kulturelle Multiplikatorfunktion sondergleichen in der islamischen Welt (vgl. Seefelder 1990:77).

© 2006 Michael Masters

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