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Traumzeit

28
Aug
2007

Das Traumerinnern

Traum:
Ein karger Aufenthaltsraum; vielleicht eine Wärmestube. Mike sitzt links von mir auf der Bank. Vor uns ein einfacher Tisch, auf dem mein Traumtagebuch liegt – real ist es einige Jahre her, dass ich solch eines verwendete. Ich ergänze gerade meine Traumnotizen der letzten Nacht. Fünf Träume waren es, und die krakelige Schrift lässt sich nur mühsam entziffern. Aber die Träume sind noch sehr präsent in der Erinnerung.

Während ich schreibe, bemerke ich plötzlich, dass ein Mann, der schon die ganze Zeit rechts von mir am Tisch sitzt, auf meine Notizen aufmerksam wurde. Er versucht, einen unauffälligen Blick darauf zu werfen. Ich drehe mein Buch ein wenig, damit er es nicht lesen kann. Mache mit den Notizen weiter, versenke mich nach innen, schließe die Augen und gehe zurück zu den Träumen. Dabei reibe ich sanft mit dem linken Daumen einen Punkt mitten auf meiner Stirn. Offenbar regt das zu einer besseren Traumerinnerung an. Mir war bisher nicht bewusst, dass ich das so mache, oder dass es überhaupt hilfreich wäre. Erst durch die Gegenwart des Mannes – er ist mir bekannt, ohne dass ich ihn kenne – wird mir das bewusst. Merkwürdigerweise ergibt sich tatsächlich der anregende Effekt, obwohl ich gar nicht sicher bin, ob ich das sonst, wenn ich allein bin, auch so mache oder ob ich damit nur Eindruck schinden will.

Nach wie vor versucht der Mann meine Notizen zu entziffern. Ich hebe einen Buchdeckel an, um seinen Blick abzuschirmen. Ich mag es nicht, wenn sich das Geschriebene ganz direkt und leibhaftig mir zuordnen lässt – es ist so/zu nah! Ja, in meinem Blog darf jeder mitlesen, denn da bleibt es unpersönlich.

Mike freut sich, dass ich fünf Träume erinnern konnte und fragt, wie weit ich mit dem Buch gekommen bin, das ich gerade lese.
„Ja“, sage ich begeistert, „allein die Ausführung der in dem Buch vorgeschlagenen Übungen führt zu solch reichhaltigen Traumerinnerungen!“
Ich schlage das Buch – „Die Liebe ist (k)ein Kinderspiel“ von Krishnananda - auf und zeige, dass ich bereits sechzig Prozent gelesen habe. „Es liest sich wie von allein und eh man sich versieht, hat man es durchgearbeitet“, erzähle ich begeistert. Mike überlegt, das Buch seinen Kollegen zu empfehlen.

Wunde Orange

Traum:
Längere Zeit unterwegs, auf dem weg zu Sam. Ein Pfad durch weite saftige Wiesen, teils mit Stacheldraht umzäunt. Inzwischen müsste ich in seiner Nähe angekommen sein. Es gibt dafür allerdings keine Anhaltspunkte und Zeichen, und ich könnte nicht sagen, wohin genau ich jetzt noch gehen müsste.
Irgendwann bemerkte ich hinter mir eine männliche Person, die ebenfalls auf dem Weg zu Sam ist. Ich möchte von ihm nicht gesehen werden, verlasse den kleinen Pfad, gehe eine kleine Böschung hinab und gelange in eine kleine natürliche Nische, die zum Teil unter dem Pfad verborgen liegt. Hier warte ich ab und betrachte die Orange in meiner linken Hand. Es ist eine geschälte Orange, an deren Oberfläche ich schon seit einiger Zeit herumnagte – vor allem an den unteren Vorderzähnen spüre ich noch davon. Die Orange hat keine Hautoberfläche mehr. Wund und nässend liegt sie auf meiner Handfläche. Eine saftige leuchtende Orangenkugel vor dem Hintergrund langer Grashalme.

Tempel und Buddha-Statue

Traum:
An einem unbenennbaren Ort in der Fremde. Es ist sehr früh am Morgen – sozusagen noch vor dem Aufstehen. Ich sitze am Rande eines griechisch anmutenden, privaten Schwimmbeckens. Eine knabenhafte Mutter geht langsam ins Wasser und ermuntert mit sanfter Stimme ihren Sohn, es ihr nachzutun. Es sei so herrlich, jetzt zu baden.

Ja, wie gerne würde auch ich jetzt schwimmen! Mein Blick streift höher, über den Saum eines Baumwipfels. Oh, dort oben, vor strahlend blauem Himmel, sehe ich die weißen Säulen eines kleinen griechischen Tempels leuchten. Unweit davon, ebenfalls vor dem Hintergrund des klaren Morgenhimmels, eine helle Buddhastatue mit einem orangerot leuchtenden Tilaka auf der Stirn. Der Anblick hat etwas Unfassbares, etwas das mich weitet und entgrenzt, Ruhe und Frieden gibt. Als mein Blick weiterschweift, erkenne ich, an einem unbekannten Ort zu sein, was zu dem Eindruck mangelnder Bodenhaftung führt. Ich stehe auf, gehe langsam um das Becken herum, setze mich schließlich an dessen Kopfende. Immer noch darauf hoffend, dass die Mutter einfach zu mir sagt: „Komm doch auch rein!“ Inzwischen glaube ich nicht mehr daran, traue mich aber auch nicht, sie darum zu fragen.
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